Der NFT-Hype – Ist das Kunst?

Eine Frage, die im Laufe der Kunstgeschichte immer wieder auftaucht, im Besonderen wenn es um neue Ausdrucksformen geht.

Non-fungible-tokens, kurz: NFTs, sind einzigartige kryptografische Token, die mit der Signatur des Künstlers verschlüsselt und mithilfe der Blockchain unikatisiert, authentifiziert, zertifiziert und absolut fälschungssicher identifiziert werden können. NFTs sind CryptoCollectibles, neben CryptoArt gibt es Cryptomotors, CryptoVoxels oder CryptoKities.

Rein formal enthalten NFT-Arbeiten alle Merkmale eines Kunstwerkes: Künstlername, Titel, Jahr, Medium, Maße (pixel).

Innerhalb der kunsthistorischen Analyse sind neue Technologien kein passives Werkzeug der künstlerischen Praxis mehr. Kunst, die durch den Computer entsteht, gibt es bereits seit den 1960er-Jahren. CryptoArt ist ein Teilbereich der digitalen Kunst. Digitale Kunst an sich lässt sich schwer klassifizieren, meist kombinieren diese Werke verschiedene Elemente (wie zum Beispiel eine physische Installation mit einer interaktiven Sound- und Software-komponente). Zu den Ausdrucksformen gehören Installationen, Filme, Videos oder Ani-mationen, Internetkunst, Softwarekunst, Virtuelle Kunst, Augumented Reality Kunst, Artificial Reality Kunst oder Robotic. Noch vielschichtiger sind die digitalen Themen wie Activism, Hactivism, Telerobotics, Datenvisualisierungen, Public Interactives, Social Media oder das Web. Digitale Kunst wird der Medienkunst untergeordnet. Medienkunst wiederum ist zeitgenössischen Kunst.

Die Frage ob Kunst oder Nichtkunst betrifft somit vor allem die Ikonografie der NFT-Werke, also jene wissenschaftliche Methode der Kunstgeschichte, die sich mit der Bestimmung und Deutung von Motiven in den Werken beschäftigt. Künstler, die NFTs produzieren und diese auf diversen Kunstplattformen wie Nifty Gateway, SuperRare oder Foundation offerieren, lassen sich von der Spielewelt inspirieren, auch Anime, also japanische Comicfiguren, Cryptopunk-Welten oder Tech Idole wie Elon Musk finden sind unter den Motiven der NFT Kunst. Wieder andere Künstler arbeiten konzeptionell, indem sie wie der Künstler PAK die Grenzen einer digitalen Datei als Unikat ausloten und identische Bilddateien mit unterschiedlichen Preisen und Titeln anbieten.

Bei der Beurteilung von Kunst spielen Kunstsammler, Galeristen, Kuratoren und Kunstkritiker eine bedeutende Rolle. Wissen, Erfahrung und der Meinungsaustausch bestimmen neben der Vita den Marktwert eines Künstlers.

Doch wie beurteilt der Kenner Kunst, die vollkommen neue Wege geht und sich der Vergleichbarkeit entzieht? Schauen wir rückblickend auf die Moderne, so wurden viele Meisterwerke aufgrund ihrer Neuartigkeit erst viel später als solche erkannt. Werke gegen Ende des 19. Jahrhunderts wurde als „impressionistisch“ beschimpft, die „Fontaine“ von Marcel Duchamps wurde zunächst belächelt und auch die abstrakte Kunst lieferte sich diversen Attacken aus. All diese Entwicklungen waren extrem wichtig und wegbereitend für zukünftige Kunst.

Aktuell sind NFT basierte Kunstwerke neu. Ihre ungewohnte Ästhetik wie auch die neuen Themen bereitet den Traditionalisten Bauchschmerzen. Die Annäherung an neue Sehgewohnheiten bedarf Zeit. Die Generation, die mit dem Iphone aufgewachsen ist, verhält sich dagegen auffällig aufgeschlossen gegenüber dieser innovativen Form von Kunst.

Und interessanterweise bilden sie eine vollkommen neue Sammlerschaft. Viele der bekannten NFT Sammler wie beispielsweise Whale Shark hatten bisher keine große Kunsterfahrung. Die neue Kunst-Community ist extrem groß und zukunftsorientiert.

Kurz: Ja, einige der Niftys im Netz sind Kunst, einige aber auch nicht. Welche Künstler sich etablieren werden, beantwortet die Zeit. Ihren Wert bestimmt derzeit die Nachfrage. Und diese ist ziemlich groß!