Nifty Gateway, SuperRare & Co

Christie’s steht an vorderster Front, wenn der Kunstmarkt seine Richtung variiert. Aktuell kündigt das Auktionshaus den Verkauf eines NFT Kunstwerkes von Künstler Beeple an und mischt mit dieser Nachricht die Kunstwelt auf.

Tatsächlich ist dieses Phänomen nicht neu. Plattformen wie Nifty Gateway wurden bereits 2018 gegründet, aktiv ist die Seite seit März 2020. Seitdem hat Beeple hier bereits mehr als 30 Kunstwerke für mehrere US$ verkauft.

Doch was sind NFTs und warum dieser Hype?

Bildschirmfoto 2021-02-26 um 20.43.50

Viele Innovationen in der Kunst von heute sind inspiriert von der Game Industrie. NFTs (non-fungible-tokens) sind kryptografische Token, die wie ein Unikat funktionieren, die also einzigartig bzw. wie der Name sagt „nicht austauschbar“. Ihre Anwendung finden sie dort, wo virtuelle Güter als einmalige Objekte gehandelt werden. Beispielhaft sind die virtuellen CryptoKitties aus der Spielewelt, die man seit 2017 mit der Blockchain Ethereum erwerben, sammeln, züchten oder handeln kann. Künstler, die NFTs produzieren, schaffen somit einzigartige digitale Dateien.

Die Welt der Kunst profitierte bis heute vor allem durch die Verknappung von Kunst, denn Unikate steigern den Wert eines Kunstwerkes. Selbst in der Fotografie oder im Bereich Videokunst wurde eine unnatürliche Verknappung in Form von limitierten Editionen seitens des Kunstmarktes eingeführt, um die Attraktivität für Sammler zu erhöhen und eine Wertsteigerung zu propagieren – diamentral zu den Möglichkeiten des Mediums, bei dem es eigentlich um die Reproduzierbarkeit geht.

Auch Künstler, die mit den technologischen Möglichkeiten des 21. Jahrhunderts Kunst produzieren, wurden bislang mit dem Thema der Einzigartigkeit konfrontiert. Die Lösung für digitale Kunst ist die Blockchain – sie sichert Provenienz, Authentifizierung und Datenintegrität. Die Welt der NFTs hat die Blockchain nun professionalisiert und gepaart mit neuen Verkaufsplattformen die Monetarisierung digitaler Kunst in Masse ermöglicht.

Noch ist das Phänomen neu. Die traditionelle Kunstwelt steht dem skeptisch gegenüber, aber das war schon immer so. Wir erinnern uns: „impressionistisch“ war zunächst ein Schimpfwort für eine Kunst, die sich von akademischen Zwängen herauslöste und neue Sichtweisen der Realität offerierte, bevor sie die visuellen Gewohnheitssmuster der breiten Masse durchbrach und Einzug in die Museen erhielt.

Technologiebasierte Kunst gibt es seit den 60er Jahren. Es vergingen Jahrzehnte bis sie gesammelt wurde. Sie zu vermitteln ist nach wie vor Pionierarbeit. Der Erwerb von Netzkunst, AR Kunst, VR Kunst oder KI Kunst erfolgt vor allem durch private Unternehmer, die den Zeitgeist konservieren wollen.

Der Erwerb von NFTs dagegen erfolgte anfangs von den Produzenten selbst, also von den Künstlern, die NFTs produzieren und mit dem Kauf von NFTs anderer Künstler bewusst in die Gemeinschaft reinvestieren wollen. Sharing wird zu Caring. Für einige Künstler sichert der Verkauf von NFTs inzwischen den Lebensunterhalt.

Inhaltlich rate ich darauf zu achten, dass sich hinter der Technologie auch ein Konzept verbirgt. Die Inspirationsquelle der aktuellen NFT Künstler sind Videospiele, Anime und Tech Idole wie Elon Musk. Eine andere Ästhetik, die häufig in NFT-Kunstwerken zu finden ist, ist das was Cock Foster – Co-Founder der Plattform Nifty Gateway –, die „digitale Groteske“ nennt. Zu dieser Beschreibung passen gleich mehrere Werke von Beeple, wie die Illustration riesiger Jabba Figuren.

Andere Künstler wie PAK, der BANKSY unter der NFTs, loten die Grenzen von NFT und Krypto aus, indem sie das gleiche Bild mit unterschiedlichen Titeln und zu unterschiedlichen Preisen offerieren. Sie stehen der Konzeptkunst nahe.

Das Sammeln von Kryptokunst ist neu. Typische NFT Sammler sind Millenials und Gen Zs, deren Aufmerksamkeit auf Lifestyle, Zukunftsthemen und Wachstum gerichtet ist. Im Secondary Market werden NFTs mittlerweile für astronomische Summen verkauft.

Der Handel mit NFTs ist eine Revolution, auf die die technologieaffinen Künstler, Sammler und Kuratoren gewartet haben. NFTs durchbrechen jegliche Grenzen von Zeit und Raum, Größe und Phantasie. Es gibt kein Falsch oder Richtig, aber die Möglichkeit in den eigenen Geschmack zu investieren.

Die klassischen Wege zur Steigerung des Bekanntheitsgrades durch Galerien oder Auktionen, brauchen NFT Künstler nicht mehr. Die Marktwertbildung ist transparent und absolut fair: mit der Knappheit und Nachfrage steigt ihr Wert. Die Präsentation muss nicht den klassische White Cube Weg durchlaufen, sondern geschieht global im Netz der unbegrenzten Möglichkeiten. NFT-Kunst ist die Revolution des 21. Jahrhunderts, die auf die veränderte Rezeption, Wahrnehmung und Vermarktung von Kunst reagiert.

Getreu der Maxime von Beuys darf nun endlich „Jeder Mensch auch Künstler“ sein!

Beispiele für NFT-PLATTFORMEN: https://niftygateway.com I https://makersplace.com/ I https://superrare.co I https://foundation.app