Zukunftsmusik: Was wir von Künstlern lernen können

 

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Giotto die Bondone, Lamentation of Christi, Cappella degli Scrovegni, (Padua), 1314-1306

 

Giotto di Bondone (*c.1267-†1337) ist einer der wichtigsten Künstler in der Entwicklung der westlichen Kunst. Seine Karriere beginnt in der Zeit der großen mittelalterlichen Künstler (Ende des 13. Jahrhunderts), deren stilisierte byzantinische Techniken er bald gegen einen irdischen, natürlichen Stil eintauscht. Bis heute wird er als Vater der Renaissance gefeiert, weil er in seinen Architekturdarstellungen den optischen Gesetzen von Proportion und Perspektive folgte und seinen Figuren eine bis dato unbekannte emotionale Qualität sowie plastische Körperlichkeit einhauchte. Giotto’s neuer Realismus wurde bereits zu Lebzeiten gefeiert. Sein Einfluss ging über Jahrhunderte hinaus.
Kurz Giotto war innovativ und für die damalige Zeit sensationell, weil er mit alten Strukturen brach und die Welt mit neuen Augen sah. Seine Zeitgenossen bejubelten ihn.

 

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Gustave Courbet, Die Steinklopfer, 1849

50 Jahre später stößt der neue Realismus von Gustave Courbet (*1819-†1877) bei den bürgerlichen Betrachtern auf Ablehnung. Sein Gemälde „Die Steinklopfer“ stellt zwei Straßenarbeiter beinahe in Lebensgröße dar. Nach den gerade vorausgegangenen Arbeiteraufständen von 1848 war Courbets Blick auf das einfache Volk radikal. Dem von einem klassizistischen Weltbild geprägten Bürgertum waren diese Art von Bilder suspekt. Aus heutiger Perspektive erregt dieses Bild kein großes Aufsehen mehr. Aber 1855 wurden seine ausdrucksstarken Bilder bei der Weltausstellung abgelehnt. Mit seinem neuartigen Stil wollte er die Welt seiner Epoche auszudrücken. Werner Hoffman bezeichnete ihn deswegen 1977 als „stärkste künstlerische Potenz der Jahrhundertmitte“. Heute hängt das Werk im Musée des Beaux-Arts de Nantes.

Innovationen in der Kunst

Innovative Beispiele in der Kunst gibt es in allen Epochen und Ländern. Aufgabe der KunsthistorikerInnen ist es, Kunstwerke nicht nur optisch, sprachlich und gestalterisch zu erfassen, sondern auch deren kulturelle Bedeutung in Kenntnis geschichtlicher und biografischer Zusammenhänge darzustellen. Der Wandel spielt in diesem Zusammenhang die Hauptrolle, denn was heute im Museum betrachtet werden kann, steht durchgehend als Symbol für neue Weltanschauungen und Techniken. Auch die Kunstgeschichte hängt hier manchmal hinterher.

Innovativ denkende Künstler leben intensiver als der Rest der Gesellschaft. Sie beobachten ihre Umgebung genau und nutzen neue Techniken, um ihren Ideen Ausdruck zu verleihen. Im Fall der Bildenden Kunst sind die Resultate visuell und spiegeln die Fortschritte in Gesellschaft, Wissenschaft und Technik wider. Menschen, die offen gegenüber neuen Sichtweisen sind und neugierig in die Zukunft blicken, können von diesen Künstlern profitieren. Meist sind dies selbst Innovatoren, Entrepreneure, Ärzte oder Unternehmer. Dieie Rezeptionsgeschichte zeigt,  Auflösung von alten Sehgewohnheiten für den Großteil der Menschen stets einer gewissen Reaktionszeit unterliegt.

Digitale Kunst im 21. Jahrhundert

Übertragen auf die aktuelle Situation zeigt sich die Wertschätzung zum einen im monetären Bereich, indem die Kunst des 20. Jahrhunderts zum Teil surreale Auktionsergebnisse erzielt (Modigliani, Picasso, Richter, etc.), während die Kunst des 21. Jahrhunderts – mit wenigen Ausnahmen – seinen Status als gesichert Wertanlage noch zu erkämpfen hat.
Sprechen wir konkret von Digitaler Kunst als Reaktion auf die Entwicklungen neuer Technologien, so handelt es sich zahlenmäßig um eine noch kleine Gruppe, die digitale Kunst als Sammelobjekt verstanden hat. Dabei gibt es die Digitale Kunst in Form von Plotterzeichnungen bereits seit den 1960er Jahren.
Digitale Kunst zu sammeln bedeutet, sich aus der Komfortzone des bloßen Bilderhängens herauszubewegen und sich ihren Herausforderungen zu stellen. Denn meist steht sie im Widerspruch zum gewohnten Kunstmarkt, der auf dem Verkauf oder Erwerb von Objekten basiert, nicht aber auf dem Verkauf von geistigem Eigentum.

Innovative Kunst passiert immer in Reaktion auf die jeweilige Zeitgeschichte. Kunst dient aber auch dazu, gegensätzliche Werte zu verbinden, indem sie Zeit und Grenzen zu überschreiten weiß und somit zum kritischen Nachdenken und Reflektieren anregt.

Künstler befinden sich heute in einer Ära, in der künstlerische Ideen mit modernsten Technologien wie 3D-Druck, virtuelle Realität, KI, Biotechnologie und Blockchain verbunden werden.
Ihre Arbeiten zu sammeln, bedeutet Teil der Geschichte zu sein!