Venedig Biennale 2015!

Venedig Biennale 2015!

Die Biennale von Venedig zählt zu den wichtigsten Kunstevents der Szene. Bis zum 22. November elektrisiert sie Venedig und viele der bekannten Gesichter waren wie immer dabei, als die Tore für die Preview geöffnet wurden.

Sammler wie Harald Falkenberg, Alain Servais, Frédéric de Goldschmidt, Roland Berger etc. waren ebenso da wie Museumsdirektoren Udo Kittelmann, Matthias Mühling, Beatrix Ruff oder Max Hollein.

Mitten im internationalen Kunstgeschehen sein und trotzdem nicht den Überblick verlieren, ist das möglich? Schwer angesichts des diesjährigen Fastart-Konsums, aber schaffbar. Less wäre an manchen Stellen more gewesen und für die Arena, das Herz der diesjährigen Biennale, braucht man sicherlich mehr Zeit, um sich die zahlreichen viel versprechenden Lesungen, Gesänge und Performances anzusehen. Für mich ein Grund eventuell doch noch einmal nach Venedig zu reisen.

SimonDenny_Biennale

ALL THE WORLD’S FUTURES, so das Motto der diesjährigen Biennale. In diesem Zusammenhang ist mir der zeitgemäße sowie auffallend intelligente Beitrag des post-internet-art Künstlers Simon Denny am stärksten in Erinnerung geblieben. Sein für den neuseeländischen Pavillon entwickeltes Projekt „Secret Power“ ist auf dem Venediger Flughafen und der Nationalbibliothek Marciana am Markusplatz verteilt. Standortspezifisch entwickelt, die von Okwui Enwezor postulierten politischen Aspekte aufgreifend und zudem ein komplexes Gefüge darstellend, gelingt es ihm die diesjährige Biennale mit Daten und Metadaten medial, kritisch und zukunftsorientiert zu beleuchten. Der Titel stammt aus dem 1996 erschienene Buch des Enthüllungsjournalisten Nick Hager, mit dem die Beteiligung Neuseelands an der US-amerikanischen Nachrichtenerfassung ans Licht gebracht wurde. In der Bibliothek eröffnet sich ein Serverraum mit Server-Racks und einer Workstation, die Denny inmitten der historisch beladenen, im Renaissancestil geschmückten Innenräume der Bibliothek platziert und damit kongenial die geopolitischen Mächte von einst und heute zusammenbringt. Die Racks fungieren als Vitrine, in der plastische und grafische Elementen der NSA-Kultur ausgestellt sind. Sie basieren auf den Ergebnissen des ehemaligen NSA-Designers und Kreativen Direktors des Verteidigungsgeheimdienstes David Darchicourt und dem Folienarchiv des NSA -Whistleblowers Edward Snowden. Da diese Folien öffentlich bekannt sind, sind sie ein Abbild der internationalen Überwachungstätigkeit und deren Auswirkungen auf die Privatsphäre jedes Einzelnen. Jedes Element in Denny’s Arbeit ist in einem anderen Element eingebettet und wird von diesem neu gerahmt, was Raum zu endlosen Interpretationen und noch viel weitläufigeren Allegorien offen lässt.
Chapeau! Wieder einmal gelingt es Denny die Aspekte unserer hoch technologischen Entwicklungen mit nationalen Identitäten, der Tech-Industrie-Kultur sowie dem Internet zu verflechten. Auch hierfür werde ich noch einmal in Ruhe nach Venedig reisen, um die einzelnen Vitrinen mit deutlich mehr Muße anzusehen.

Und hier ein weiterer link: https://news.artnet.com/art-world/56th-venice-biennale-politics-jj-charlesworth-295350#.VU_GFWoJ5PN.facebook